Erkrankungen des Pferdeauges

Die Augen des Pferdes sind Spiegel seiner Seele, seines Wohlbefindens. Sie sind ein hoch spezialisiertes Sinnesorgan mit physikalisch-optischen und nervalen Anteilen sowie komplexen Stoffwechselvorgängen. Wenn das Auge erkrankt, stellt es häufig ein ernstzunehmendes Problem dar und ist mit Schmerzen und Leistungsminderung verbunden. Es kann zu bleibenden Schäden mit dauerhafter Beeinträchtigung des Sehvermögens und Wohlbefindens des Tieres kommen. Die Erkrankungen können vielfältige Ursachen haben, trotzdem sind die Symptome zunächst oft ähnlich: Das Pferd zeigt Schmerzen mit Zukneifen und Schwellung der Augenlider und vermehrten Tränenfluss.

Es kann sich eine harmlose Bindehautentzündung dahinter verbergen, oder eine schwerwiegende Entzündung des Innenauges. Nur der rasche Einsatz der richtigen Medikamente kann Folgen, wie chronische Schmerzen und vermindertes Sehvermögen verhindern. Auch mag eine Veränderung im Gewebe, z.B. eine Verfärbung harmlos erscheinen, doch es kann der Beginn einer Tumorerkrankung sein. Daher ist eine umfassende, genaue Untersuchung und u.U. die Entnahme von Proben so wichtig.
Verletzungen im Bereich des Kopfes betreffen nicht selten die unmittelbare Augenumgebung, auch hier sollte unter Berücksichtigung der speziellen Anatomie des Auges und seiner Anhänge die optimale Versorgung durchgeführt werden.                                                                               

            Periodische Augenentzündung

Die Periodische Augenentzündung oder auch Equine rezidivierende Uveitis ist eine schwerwiegende Erkrankung, die weltweit bis zu 12 % der Pferdepopulation betrifft. Die Aderhaut (Uvea) stellt die mittlere der drei Hüllen des Augapfels dar und neigt aufgrund ihres Gefäßreichtums zu entzündlichen Reaktionen, die einzelne Abschnitte (vordere oder hintere Uveitis), oder das ganze Auge (Panuveitis) betreffen können. Als Auslöser kommen Traumata, infektiöse oder toxisch-chemische Ursachen in Frage, in deren Folge immunologische Vorgänge die Entzündungsreaktion bestimmen. Daher ist die ERU eher als Symptomkomplex zu sehen, welchem unterschiedliche Vorgänge zu Grunde liegen.        Das rechtzeitige Diagnostizieren der Erkrankung und das Einleiten der richtigen Therapie, sind für den Erhalt des Auges von entscheidender Bedeutung. In Deutschland werden bei einem Großteil der Patienten ursächlich Bakterien der Gattung Leptospiren festgestellt, bei diesen Pferden ist, nach Abklingen des akuten Entzündungsschubes, die Vitrektomie die erfolgversprechendste Form der Therapie. Hierbei wird in Vollnarkose der Glaskörper des Auges mit den darin enthaltenenden Bakterien und Entzündungsprodukten abgesaugt und durch eine spezielle antibiotikahaltige Flüssigkeit ersetzt.   Eine `kleine Lösung´ ist die Injektion dieses Antibiotikums in den Glaskörperraum, was in Standnarkose erfolgen kann. Diese Form der Therapie ist noch relativ jung, Langzeitergebnisse stehen aus.   Bei Uveitis Patienten mit genetischer Veranlagung, z.B. Pferden die das Tigerschecken-Gen tragen, ist die Prognose grundsätzlich vorsichtiger zu stellen. Wir beraten mit Ihnen zusammen, unter Berücksichtigung der Befunde und Möglichkeiten, die beste Therapie für Ihr Pferd. 

Keratitis                       

Die Keratitis ist eine entzündliche Erkrankung, die sich auf die Hornhaut (Kornea), also den vordersten, durchsichtigen Abschnitt des Auges beschränkt. Die Kornea ist maßgeblich an der Lichtbrechung beteiligt, welche für das Scharfsehen erforderlich ist. Sie ist im gesunden Zustand frei von Blutgefäßen und wird über den Tränenfilm sowie das Kammerwasser ernährt. Als Auslöser für eine Entzündung der Hornhaut kommen Vorgänge in Frage, die die Abwehr des Körpers aktivieren, wie z.B. Verletzungen oder Infektionen. Ist das Immunsystem erst einmal alarmiert, können im Folgenden `kleine´ Auslöser, wie Staub, Insekten oder UV-Strahlung genügen, um eine Entzündung auszulösen. Die Symptome sind vielfältig, sie reichen von kaum wahrnehmbaren Wassereinlagerungen oder mikroskopisch kleinen Blutgefäßeinsprossungen bis hin zu großflächigen Gewebszerstörungen. Entsprechend variieren die therapeutischen Möglichkeiten bzw. Notwendigkeiten von gelegentlicher Verabreichung immunsuppressiver Augentropfen über intensive lokale Therapie bis zum chirurgischen Abtragen der betroffenen Schichten der Kornea. Eine Keratitis, welche nicht erfolgreich behandelt wird, kann sich zu einer Entzündung tiefer gelegener Augenabschnitte ausweiten.

Augenverletzungen      

Verletzungen der Augen kommen aufgrund ihrer exponierten Lage am Pferdekopf immer wieder vor. Sie können die Augenlider, die Orbita (knöcherne Augenhöhle) oder den Augapfel an sich betreffen. Hierbei sind an erster Stelle Verletzungen der Hornhaut zu nennen, welche von kleinen oberflächlichen Abschürfungen über profunde Defekte bis zur Perforation reichen können. Nicht immer korreliert die Schmerzhaftigkeit des Patienten mit dem Ausmaß der Verletzung. Die zeitnahe optimale Behandlung kann für das vollständige Gesunden des Organs entscheidend sein. Wird eine hochfrequente lokale Therapie notwendig, kann z.B. das Einbringen eines Salbenkatheters für das Pferd und die betreuenden Personen angenehm sein. Das Verabreichen der Medikamente erfolgt hierbei über einen feinen Schlauch am Mähnenkamm in Höhe der Schulter.  Für tiefe Defekte bestehen, je nach Größe und Lokalisation, unterschiedliche Verfahren der chirurgischen Versorgung.

Katarakt / Grauer Star

Als Katarakt oder grauer Star wird jede Trübung der Linse oder der Linsenkapsel bezeichnet. Die Katarakt kann angeboren oder erworben sowie stationär oder fortschreitend sein. Außerdem kann die Erkrankung verschiedene Strukturen, wie den Linsenkern, die Linsenrinde oder die Linsenkapsel betreffen.  (Altersbedingt kann ca. ab dem 10. Lebensjahr eine physiologische Trübung der Augenlinse beginnen.) Je nach Größe, Dichte und Lokalisation einer Katarakt kann das Sehvermögen gar nicht, gering, oder stark eingeschränkt sein. Eine vollständige Trübung führt zur Blindheit. Bei einer angeborenen Katarakt muss man von genetischen Ursachen ausgehen. Die meisten erworbenen Trübungen der Linse sind Folge einer Entzündung im Inneren des Auges, selten können sie traumatisch bedingt sein. Eine konservative Therapie gibt es nicht; befindet sich die Trübung zentral in der Sehachse, kann eine medikamentelle Weitstellung der Pupille das Sehvermögen verbessern. Chirurgisch besteht die Möglichkeit die Linse mittels der Phacoemulsifikation zu entfernen.   Der daraus resultierenden Weitsichtigkeit mit dem Einsatz einer Kunstlinse zu begegnen, ist eine Option, die für das Pferd derzeit noch in den Kinderschuhen steckt.

Glaukom / Grüner Star   

Als Glaukom bezeichnet man einen Krankheitskomplex, bei welchem der Augeninnendruck aufgrund einer Störung im Kammerwasserabfluss oder einer vermehrten -produktion über das Normalmaß ansteigt. Dabei können  Strukturen im Auge, bis hin zum Visusverlust, geschädigt werden. In seltenen Fällen kann die Erkrankung angeboren sein, meist entsteht sie aber sekundär in Folge von Entzündung, Trauma oder Neoplasie. Das Glaukom ist für das Pferd schmerzhaft, was sich über vermehrten Tränenfluss, Zukneifen der Lider und Lichtscheue äußert, außerdem kann eine bläuliche Trübung der Hornhaut oder bereits eine Vergrößerung des Augapfels auffallen. Die Therapie sollte unverzüglich mit drucksenkenden Augentropfen und einem Schmerzmittel begonnen werden, um anschließend sorgfältig die Ursache zu klären. Chirurgisch besteht die Möglichkeit Teile des kammerwasserproduzierenden Gewebes mit einem Laser zu veröden.